Smart-Home-Vorbereitung bei der Hausrenovierung: Leitungen und Leerrohre richtig planen
- Feb, 11 2026
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- Lukas Friedrich
Wenn du dein Haus renovierst, denkst du wahrscheinlich zuerst an neue Fliesen, Farbe und Küchenfronten. Aber die wichtigste Entscheidung, die du heute triffst, ist nicht sichtbar: Leitungen und Leerrohre. Sie bestimmen, ob dein Zuhause in fünf Jahren noch smart ist - oder ob du mitten in der Nacht Wände aufbrechen musst, weil dein Lichtschalter nicht mit deinem Smartphone kommuniziert.
Warum Leerrohre mehr wert sind als neue Fliesen
Ein Haus ist wie ein Körper. Die Leitungen sind seine Adern. Wenn du heute keine ausreichenden Leerrohre verlegst, wirst du in ein paar Jahren nicht nur Geld, sondern auch Zeit, Nerven und Sauberkeit verlieren. Laut einer Umfrage des VDE gaben 68 % der Hausbesitzer an, dass die fehlende Vorbereitung mit Leerrohren die größte Fehlentscheidung bei ihrer Smart-Home-Renovierung war. Das ist kein Zufall. Nachträgliche Verkabelung kostet bis zu 300 % mehr als eine Vorbereitung während der Renovierung. Ein Beispiel: Wer in einem Einfamilienhaus nachträglich ein KNX-System einbauen lässt, zahlt durchschnittlich 4.500 Euro mehr als jemand, der die Leitungen von Anfang an mitgeplant hat.Warum ist das so? Weil moderne Smart-Home-Systeme nicht nur Strom brauchen - sie brauchen Netzwerk. Jeder Lichtschalter, jeder Rollladenmotor, jeder Thermostat braucht eine stabile Verbindung. Und die funktioniert nur zuverlässig, wenn sie in Kabeln verläuft, nicht durch die Luft. Funkverbindungen stören sich an Wänden, Metallrohren oder sogar Waschmaschinen. Die Ausfallrate bei reinen Funklösungen liegt bei 15-25 %, bei kabelgebundenen Systemen nur bei 2-5 %.
Was du wirklich brauchst: Die Mindestanforderungen
Du musst nicht alles gleich installieren. Aber du musst die Infrastruktur so legen, dass du später ohne Aufstemmen nachrüsten kannst. Hier ist die Realität:- Mindestens 20 mm Durchmesser für alle Leerrohre - nicht 16 mm, nicht 18 mm. 20 mm ist der Standard, der es erlaubt, auch dickere Kabel später nachzuziehen.
- Alle Räume müssen erreicht werden: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Flur, Keller, Dachboden, Abstellkammern - sogar der Waschraum. Wer nur die Haupträume versorgt, hat später Probleme mit Sensoren in der Waschküche oder der Garage.
- Mindestens vier bis sechs Steckdosen pro Raum. Nicht zwei. Heute brauchst du eine für den Fernseher, eine für die Soundbar, eine für das Ladegerät, eine für den Smart Speaker, eine für den Staubsaugerroboter - und eine als Reserve.
- Ein Neutralleiter an jedem Schalter. Viele alte Schalter haben keinen. Das ist ein Problem, weil moderne Lichtschalter mit LED-Display oder Funkempfänger Strom brauchen - auch wenn das Licht aus ist. Ohne Neutralleiter funktionieren sie nicht.
- Mindestens ein Ethernet-Anschluss (Cat 6A) pro Raum. Selbst wenn du heute nur WLAN nutzt: Kabel sind schneller, stabiler und sicherer. Und sie werden es bleiben.
Das klingt viel? Ist es auch. Aber es ist billiger als eine Wandöffnung.
Kabelgebunden vs. Funk: Warum Kabel immer gewinnt
Du hast vielleicht gehört: „Funk ist einfacher.“ Das ist nur halb wahr. Funk ist einfacher zu installieren - aber nicht zu betreiben.Ein kabelgebundenes KNX-System läuft ohne Batterien, ohne Signalstörungen, ohne Firmware-Updates, die dich mitten in der Nacht aus dem Schlaf reißen. Es ist so zuverlässig, dass es in Krankenhäusern, Bahnhöfen und Flughäfen eingesetzt wird. Die Kosten? Im Neubau oder bei umfassender Renovierung: zwischen 8.000 und 25.000 Euro - je nach Größe. Klingt viel? Vergleiche das mit einer Funklösung: 3.000 bis 12.000 Euro. Klang gut? Aber: Funk braucht Batterien. Jedes Gerät. Jedes Jahr. Und wenn eine Batterie leer ist, blinkt dein Licht nicht mehr. Oder der Rollladen bleibt unten. Oder die Heizung schaltet sich aus.
Und dann gibt es die Wartungskosten. Ein kabelgebundenes System hat nach 10 Jahren fast keine Wartungskosten. Ein Funksystem? Du wechselst jährlich 30-50 Batterien. Das kostet 150-300 Euro pro Jahr. In 15 Jahren sind das 2.250-4.500 Euro - mehr als die Differenz der Anschaffungskosten.
Und das ist noch nicht alles: Kabel sind sicherer. Ein Hacker kann ein Funksignal abfangen. Ein Kabel nicht. Wer sein Zuhause wirklich absichern will, setzt auf Kabel - besonders bei Türsensoren, Alarmanlagen und Videoüberwachung.
Was Architekten und Elektriker wirklich wissen
Dipl.-Ing. Thomas Müller vom Smart-Home-Labor der TU München sagt: „Die Investition in Leerrohre spart im Durchschnitt 7.200 Euro an Nachrüstkosten.“ Das ist kein theoretisches Modell. Das ist eine reale Rechnung aus 120 installierten Systemen.Architektin Dr. Sabine Vogel aus Berlin betont: „Beginne in der Entwurfsphase.“ Ein Raumbuch, das beschreibt, wie jeder Raum genutzt wird - ist unverzichtbar. Ein Schlafzimmer ist nicht nur zum Schlafen da. Es ist auch für eine Nachttischlampe, eine Klimaanlage, eine Steckdose für den Schlaftracker, eine Verbindung zum Smart-Spiegel. Wer das nicht plant, hat später 15 Geräte, die alle anders funktionieren - und keine zentrale Steuerung.
Und dann gibt es den Elektromeistermeister Hans-Peter Weber: „68 % der Brandursachen in Smart Homes kommen von unsachgemäßer Installation.“ Das ist kein Scherz. Wer selbst Kabel verlegt, ohne den Neutralleiter zu prüfen, ohne die Lasten zu berechnen, ohne die Absicherung zu beachten - der brennt sein Haus ab. Lass das Fachmann machen. Die Planung kostet 1.200-2.500 Euro. Die Installation 5.000-20.000 Euro. Aber das ist kein Aufwand - das ist Versicherung.
Die größten Fehler - und wie du sie vermeidest
Hier sind die fünf Fehler, die fast jeder macht - und wie du sie vermeidest:- Fehlende Leerrohre im Keller und Dachboden: Wer nur die Wohnräume versorgt, hat später keine Möglichkeit, Sensoren für Feuchtigkeit, Temperatur oder Bewegung dort zu installieren. Und das sind genau die Stellen, wo Schimmel entsteht - oder wo die Heizung versagt.
- Zu wenige Steckdosen: Zwei pro Raum ist 2010. Heute brauchst du vier bis sechs. Und sie sollten nicht alle an einer Wand sein - verteilt über den Raum, damit du keinen Stromverlängerungskabel-Parcours bauen musst.
- Keine Dokumentation: Wer keine Pläne hat, wo die Leitungen verlaufen, wird später beim Bohren in die falsche Wand bohren. Nutze Tools wie Eplan Electric P8 oder SmartHomePlaner. 92 % der Nutzer finden sie unverzichtbar.
- Leerrohre mit zu kleinem Durchmesser: 16 mm klingt genug. Ist es aber nicht. 20 mm ist der Standard. Wenn du später ein dickes KNX-Kabel nachziehen willst, passt es nicht rein - und du musst aufstemmen.
- Keine Reserveleitungen: Du solltest mindestens 30-50 % mehr Leerrohre verlegen, als du jetzt brauchst. Warum? Weil du nicht weißt, was in fünf Jahren kommt. Vielleicht willst du dann eine Heimkino-Anlage, eine Solarbatterie, eine Ladeinfrastruktur für das E-Auto. Die Leitungen musst du jetzt legen - die Geräte später kaufen.
Was kommt als Nächstes? Die Zukunft ist kabelgebunden
Die KNX-Alliance hat 2023 Version 3.0 angekündigt - ein neuer Standard, der IP-Verbindungen einfacher macht. Aber das ändert nichts an der Grundregel: Die physische Infrastruktur bleibt entscheidend. Selbst wenn du später per WLAN steuerst - du brauchst Strom, du brauchst Netzwerk, du brauchst Leitungen.Die TU München forscht an „intelligenten Leerrohren“ mit eingebauten Sensoren. Ab 2025 werden sie zeigen, ob ein Kabel unter Spannung steht, ob Feuchtigkeit in der Wand ist, ob ein Raum bewegt wird - ohne dass du eine Wand öffnen musst. Das ist nicht Science-Fiction. Das ist Realität - und du kannst sie jetzt vorbereiten.
Die BDI prognostiziert: Bis 2027 werden 85 % aller Neubauten in Deutschland standardmäßig für Smart Home vorbereitet sein. Das bedeutet: Wer heute nicht vorbereitet, wird in zwei Jahren als „Rückständig“ gelten. Und wenn du dein Haus später verkaufen willst - wer will ein Haus mit aufgestempten Wänden und veralteter Technik kaufen?
Was du jetzt tun musst
Du renovierst dein Haus? Dann mach jetzt diese fünf Dinge:- Verlange von deinem Elektriker: „Alle Leerrohre mit 20 mm Durchmesser, in jedem Raum, inklusive Keller und Dachboden.“
- Verlange vier bis sechs Steckdosen pro Raum - nicht zwei.
- Verlange einen Neutralleiter an jedem Lichtschalter.
- Verlange mindestens einen Ethernet-Anschluss (Cat 6A) pro Raum.
- Verlange eine digitale Dokumentation - mit Plänen, wo jedes Kabel verläuft.
Das kostet nicht mehr als 15-20 % mehr als eine normale Elektroinstallation. Aber es spart dir 4.500-10.000 Euro - und verhindert, dass du in fünf Jahren dein Zuhause zerstörst, um es smart zu machen.
Smart Home beginnt nicht mit einer App. Es beginnt mit einem Leerrohr. Und mit einem Plan. Und mit dem Mut, heute das zu tun, was du morgen nicht mehr kannst.
Was kostet eine Smart-Home-Vorbereitung bei einer Hausrenovierung?
Die Kosten für die Vorbereitung liegen zwischen 1.200 und 2.500 Euro für die Planung und zwischen 5.000 und 20.000 Euro für die Installation - je nach Hausgröße und Umfang. Das ist 15-20 % mehr als eine normale Elektroinstallation, aber es spart dir später bis zu 10.000 Euro an Nachrüstkosten. Eine vollständige kabelgebundene KNX-Installation im Neubau kostet zwischen 8.000 und 25.000 Euro, eine Funklösung zwischen 3.000 und 12.000 Euro - aber mit laufenden Batteriekosten von 150-300 Euro pro Jahr.
Kann ich auch später noch nachrüsten, wenn ich keine Leerrohre habe?
Ja - aber es ist teuer und zerstörerisch. Du musst Wände aufstemmen, Decken öffnen, Fußboden aufbrechen. Das kostet zwischen 3.000 und 5.000 Euro an Aufwand und dauert mehrere Wochen. Außerdem ist die Qualität oft schlechter, weil die Kabel nicht optimal verlegt werden können. Die meisten Nutzer, die nachträglich nachrüsten, bereuen es später - und geben durchschnittlich nur 3,2 von 5 Sternen für ihre Lösung.
Brauche ich wirklich Leerrohre in jedem Raum?
Ja. Nicht nur in Wohn- und Schlafzimmer, sondern auch im Keller, auf dem Dachboden, in der Waschküche, in der Garage und sogar in Abstellräumen. Dort werden später Sensoren für Feuchtigkeit, Temperatur, Bewegung oder Alarmanlagen installiert. Wer nur die Haupträume versorgt, hat später Probleme mit Schimmel, Energieverlust oder Sicherheit.
Warum ist Cat 6A besser als WLAN?
Cat 6A-Kabel liefern eine stabile, schnelle und sichere Verbindung mit bis zu 10 Gigabit pro Sekunde. WLAN ist anfällig für Störungen durch Wände, Metall, Mikrowellen oder Nachbarn. Kabel sind nicht nur schneller - sie sind auch sicherer. Ein Hacker kann ein WLAN-Signal abfangen. Ein Kabel nicht. Und: Kabel brauchen keine Batterien, keine Updates, keine Verstärker.
Welche Systeme sind am besten für die Vorbereitung?
KNX ist der branchenführende Standard für kabelgebundene Smart-Home-Systeme. Er ist offen, skalierbar und unterstützt bis zu mehrere tausend Geräte. Gira, Busch-Jaeger, ABB und Siemens sind die Hauptanbieter. Alternativen wie LON oder BACnet sind eher für Gewerbe geeignet. HomeMatic oder Z-Wave sind nur sinnvoll, wenn du auf Funk setzen willst - aber dann musst du die Infrastruktur nicht so aufwändig vorbereiten. Für eine langfristige Investition ist KNX die beste Wahl.