Sanierungsfahrplan für Einfamilienhäuser: Schritt für Schritt zu mehr Energieeffizienz

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Ein Einfamilienhaus aus den 70er-Jahren hat oft eine Heizung, die mehr Heizöl verbraucht als nötig, Fenster, die kalt werden, und Wände, durch die die Wärme einfach entweicht. Viele Hausbesitzer wissen: Sanierung ist sinnvoll - aber wo anfangen? Was kostet es wirklich? Und wie bekommt man Geld vom Staat dafür? Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) gibt die Antwort. Er ist kein bloßer Bericht, sondern ein praktischer Fahrplan, der dir zeigt, was du wann tun musst, um dein Haus energieeffizient und kostengünstig zu modernisieren - und wie du dabei bis zu 80 % der Beratungskosten erstattet bekommst.

Was ist ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)?

Der individuelle Sanierungsfahrplan ist eine staatlich geförderte Beratung, die dir einen klaren Weg für die energetische Sanierung deines Einfamilienhauses aufzeigt. Er wird von einem zugelassenen Energieberater erstellt - nicht von einem Verkäufer von Heizungen oder Fenstern, sondern von jemandem, der neutral und unabhängig arbeitet. Der iSFP ist kein Standardformular, sondern maßgeschneidert für dein Haus. Er analysiert, wie viel Energie dein Haus aktuell verbraucht, wo die größten Verluste liegen und welche Maßnahmen dir am meisten bringen.

Die BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) fördert diesen Fahrplan seit 2018. Sie legt fest: Der Plan muss technologieoffen sein. Das bedeutet, der Berater empfiehlt nicht einfach eine Wärmepumpe oder eine neue Heizung - er prüft alle Optionen und sagt dir, was für dein Haus am sinnvollsten ist. Ob du später eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, eine Holzpelletsheizung oder eine Hybridlösung nimmst - das entscheidest du. Der Fahrplan hilft dir nur, die richtige Entscheidung zu treffen.

Kosten: Was kostet ein Sanierungsfahrplan?

Die Kosten für einen individuellen Sanierungsfahrplan liegen zwischen 1.300 € und 2.100 €, je nach Größe und Komplexität deines Hauses. Ein kleines Haus aus den 80ern kostet weniger als ein großes, unrenoviertes Haus aus den 60ern mit Dachausbau. Der Durchschnitt liegt bei etwa 1.850 €.

Doch hier kommt der entscheidende Vorteil: Die BAFA übernimmt 50 % der Kosten - maximal 650 €. Das heißt: Du zahlst nach der Förderung nur noch zwischen 650 € und 1.050 € selbst. Viele Energieberater bieten sogar Rabatte an, sodass du am Ende oft nur 500 € oder weniger bezahlst. Das ist ein riesiger Unterschied zu einem Beratungsgespräch ohne Förderung, das dich sonst 2.000 € kosten würde.

Und das ist nicht alles: Wenn du den Fahrplan nutzt und innerhalb von 15 Jahren Sanierungsmaßnahmen umsetzt, bekommst du einen Bonus. Dann steigt der Zuschuss für die tatsächlichen Sanierungsarbeiten von 15 % auf 20 %. Außerdem kannst du bis zu 60.000 € förderfähige Kosten geltend machen - statt nur 30.000 €. Das kann dir bei einer umfassenden Sanierung bis zu 7.500 € mehr Zuschuss bringen.

Welche Maßnahmen sind im Fahrplan enthalten?

Der iSFP teilt die Sanierungsmaßnahmen in zwei große Gruppen ein: Gebäudehülle und Anlagentechnik.

Gebäudehülle ist der erste Schritt. Ohne eine gute Hülle macht es keinen Sinn, eine neue Heizung einzubauen. Die Hülle umfasst:

  • Dämmung der Außenwände (Fassadendämmung oder Innendämmung)
  • Dachdämmung (oft die größte Wärmeverlustquelle)
  • Einbau von Wärmeschutzfenstern (mindestens Uw-Wert von 1,3)
  • Dämmung des Kellerdeckens oder Bodens gegen Erdreich

Anlagentechnik kommt danach. Hier geht es um die Heizung, die Lüftung und die Energieverteilung:

  • Austausch der alten Heizung gegen eine moderne Lösung (Wärmepumpe, Biomasse, Hybrid)
  • Hydraulischer Abgleich der Heizung (sorgt dafür, dass alle Radiatoren gleichmäßig warm werden)
  • Austausch der Heizungspumpen gegen effiziente Modelle
  • Einbau einer kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung
  • Integration von Smart-Home-Systemen zur Verbrauchsoptimierung

Der Fahrplan zeigt dir nicht nur, was gemacht werden muss - er sagt dir auch, in welcher Reihenfolge. Du fängst mit der Hülle an, dann folgt die Heizung, dann die Lüftung. Jede Maßnahme baut auf der vorherigen auf. Wenn du zuerst die Heizung wechselst, ohne die Wände zu dämmen, läuft sie ständig auf Vollast - und du verschwendest Geld.

Die Reihenfolge: Warum kommt zuerst die Hülle?

Stell dir vor, du hast ein Einfamilienhaus mit alten Fenstern, undurchgedämmten Wänden und einem 25 Jahre alten Ölheizkessel. Du tauschst jetzt den Kessel gegen eine teure Wärmepumpe. Was passiert? Die Wärmepumpe muss viel mehr Energie aufbringen, weil die Wärme durch die schlechte Hülle einfach entweicht. Du zahlst hohe Stromkosten - und die Einsparung ist gering.

Jetzt stell dir vor, du dämmst zuerst das Dach, wechselst die Fenster und isolierst die Außenwände. Dann ist der Wärmebedarf deines Hauses um 40-60 % gesunken. Jetzt brauchst du eine viel kleinere, viel günstigere Heizung. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit 8 kW Leistung reicht dann - statt einer 15 kW-Maschine. Das spart nicht nur Geld bei der Anschaffung, sondern auch bei den laufenden Kosten.

Der iSFP macht genau das sichtbar: Er berechnet, wie viel Energie du nach jeder Maßnahme sparst. So kannst du schrittweise vorgehen - ohne überzubuchen. Du fängst mit der Dachdämmung an, dann mit den Fenstern, dann mit der Heizung. Jede Maßnahme senkt deine Kosten und erhöht den Wert deines Hauses.

Schritt-für-Schritt-Diagramm der energetischen Sanierung: Dämmung, Fenster, Heizung.

Wie funktioniert die Förderung wirklich?

Die Förderung läuft über die BAFA. Du holst dir einen zugelassenen Energieberater - die Liste findest du auf der BAFA-Website. Der Berater kommt vor Ort, misst, prüft, macht eine Wärmebildkamera-Aufnahme und analysiert deine Heizkostenabrechnungen. Danach erstellt er den Fahrplan - meist innerhalb von zwei bis vier Wochen.

Du reichst den Antrag für die Förderung der Beratung online ein - meist mit dem Berater zusammen. Die BAFA zahlt dir 50 % des Honorars, maximal 650 €, auf dein Konto. Das Geld kommt meist innerhalb von vier bis acht Wochen.

Wenn du später Sanierungsmaßnahmen umsetzt, kannst du einen zweiten Antrag stellen - und zwar mit dem Bonus. Dafür musst du den iSFP als Nachweis vorlegen. Dann bekommst du 20 % Zuschuss statt 15 %, und die förderfähigen Kosten steigen von 30.000 € auf 60.000 €. Das ist ein riesiger Vorteil. Wer ohne Fahrplan sanieren will, verliert diesen Bonus - und damit oft mehrere Tausend Euro.

Was passiert, wenn du nicht sanierst?

Ein Haus ohne Sanierung wird immer teurer. Die Energiepreise steigen - und die staatliche Förderung für Öl- und Gasheizungen wird immer weiter reduziert. Ab 2025 ist der Einbau neuer Ölheizungen in Deutschland verboten. Ab 2029 wird es auch für Gasheizungen strengere Regeln geben. Wenn du heute nicht sanierst, wirst du in fünf Jahren mit einer veralteten Heizung und hohen Kosten dastehen - und keinen Anspruch mehr auf Förderung haben.

Dazu kommt: Der Wert deines Hauses sinkt. Käufer suchen heute energieeffiziente Wohnungen. Ein Haus mit Energieverbrauch von 200 kWh/m²a ist schwer zu verkaufen. Ein Haus mit 50 kWh/m²a dagegen - das ist attraktiv, besonders wenn es auch noch eine moderne Heizung hat.

Wie lange dauert der ganze Prozess?

Der Beratungsprozess dauert in der Regel drei bis sechs Wochen - von der ersten Kontaktaufnahme bis zum fertigen Fahrplan. Die Umsetzung der Maßnahmen dauert länger. Dachdämmung und Fensterwechsel gehen oft in einem Jahr zusammen. Die Heizung wird meist im zweiten Jahr installiert. Du musst nicht alles auf einmal machen. Viele Hausbesitzer sanieren schrittweise über 5-10 Jahre.

Der Vorteil: Du kannst die Kosten verteilen. Du sparst durch die erste Maßnahme (z. B. Dachdämmung) schon 20-30 % Heizkosten. Mit diesem Geld finanzierst du den nächsten Schritt. So wird Sanierung nicht zur Belastung - sondern zur Investition, die sich selbst bezahlt.

Gemütliches Wohnzimmer in einem modernisierten Einfamilienhaus mit neuen Fenstern und Wärmepumpe.

Was kommt nach dem Fahrplan?

Nach dem iSFP hast du drei Optionen:

  1. Du fängst mit der ersten Maßnahme an - meist Dach oder Fenster.
  2. Du lässt dich von deinem Energieberater bei der Baubegleitung unterstützen. Dafür bekommst du wieder 50 % Förderung - bis zu 800 €.
  3. Du suchst dir einen Handwerker - aber nur nachdem du den Fahrplan hast. So vermeidest du teure Fehlentscheidungen.

Ein guter Energieberater hilft dir auch bei der Auswahl der Handwerker. Er weiß, wer seriös arbeitet, wer gute Materialien verwendet und wer auf die Details achtet. Das ist wertvoll - besonders wenn du nicht selbst im Baugewerbe bist.

Warum ist der iSFP heute wichtiger denn je?

Die Energiepreise sind hoch. Die Inflation hat die Kosten für Baustoffe und Handwerker gesteigert. Aber gleichzeitig ist die Förderung attraktiver denn je. Die Nachfrage nach iSFPs ist im Jahr 2025 um 35 % gestiegen - weil immer mehr Menschen merken: Wer jetzt sanieren lässt, spart langfristig Geld. Wer wartet, zahlt später mehr.

Und es geht nicht nur um Geld. Es geht um Komfort. Ein gedämmtes Haus ist im Winter warm, im Sommer kühl. Es ist leiser. Es hat keine Zugluft. Es fühlt sich einfach besser an. Und das ist etwas, das du nicht mit Geld kaufen kannst - aber mit einem guten Sanierungsfahrplan erreichen kannst.

Was du jetzt tun solltest

Wenn du ein Einfamilienhaus hast und noch nicht sanierst, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Hol dir einen zugelassenen Energieberater. Lass dir den iSFP erstellen. Du zahlst nur die Hälfte - und bekommst einen klaren Plan, der dir zeigt, wie du dein Haus in fünf Jahren klimaneutral machen kannst - ohne Schulden zu machen.

Denk nicht an die Gesamtkosten. Denk an die erste Maßnahme. Die Dachdämmung. Die Fenster. Die Heizungspumpe. Jede einzelne Maßnahme macht deinen Alltag besser - und deine Rechnung kleiner. Der iSFP ist dein Werkzeug, um das zu schaffen - ohne Risiko, ohne Überforderung, ohne falsche Versprechen.

Kann ich den Sanierungsfahrplan auch für ein Mehrfamilienhaus nutzen?

Ja, aber die Förderung ist geringer. Für Gebäude mit drei oder mehr Wohneinheiten beträgt die maximale Förderung für den iSFP nur noch 850 € (50 % von maximal 1.700 €). Die Beratung ist komplexer, daher fallen höhere Kosten an. Für Ein- und Zweifamilienhäuser bleibt die Förderung bei 650 € - das ist der Standardfall für die meisten Hausbesitzer.

Muss ich den Sanierungsfahrplan vor der Sanierung machen?

Ja, wenn du den Bonus von 20 % Zuschuss für die Sanierungsmaßnahmen nutzen willst. Ohne iSFP bekommst du nur 15 % Förderung und nur bis zu 30.000 € förderfähige Kosten. Der Fahrplan ist die Voraussetzung für den höchstmöglichen Zuschuss. Du kannst ihn auch nach der Sanierung erstellen - aber dann verpasst du den Bonus.

Wie lange ist der Sanierungsfahrplan gültig?

Der Fahrplan ist nicht zeitlich begrenzt. Du kannst ihn nutzen, um Sanierungsmaßnahmen über mehrere Jahre hinweg zu planen. Der Bonus von 5 % pro Maßnahme gilt jedoch nur, wenn du die Maßnahmen innerhalb von 15 Jahren nach Erstellung des Fahrplans umsetzt. Danach verfällt der Bonus - aber der Plan bleibt als Orientierungshilfe nützlich.

Kann ich den Sanierungsfahrplan selbst erstellen?

Nein. Der iSFP muss von einem vom BAFA zugelassenen Energieberater erstellt werden. Nur dann ist er förderfähig. Online-Tools oder Software helfen zwar bei der Einschätzung, aber sie ersetzen nicht die professionelle Vor-Ort-Beratung mit Wärmebildkamera, Luftdichtigkeitsprüfung und detaillierter Analyse deiner Heizkosten.

Was passiert, wenn ich nach dem Fahrplan eine andere Maßnahme mache als empfohlen?

Du kannst jede Maßnahme umsetzen, die du willst. Der Fahrplan ist kein Vertrag - er ist ein Ratgeber. Wenn du eine andere Heizung wählst oder die Fenster später wechselst, ändert das nichts an deiner Förderung. Wichtig ist nur: Du musst den iSFP als Nachweis vorlegen, wenn du den Bonus für die Sanierung beantragen willst. Die Maßnahmen müssen im Fahrplan enthalten sein - aber du kannst die Reihenfolge anpassen.