Rohrinnensanierung: Die zerstörungsfreie Lösung für alte Wasserleitungen
- Jan, 28 2026
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- Dieter Wangen
Stellen Sie sich vor, Ihre Wasserleitungen sind verstopft, rostig, lecken - aber die Wand hinter der Küche ist komplett verputzt, die Fußbodenheizung läuft unter dem Bad, und der Keller ist voller Möbel. Ein kompletter Rohraustausch? Unvorstellbar. Zu teuer. Zu chaotisch. Zu viel Dreck. Doch was, wenn es eine Möglichkeit gibt, die Leitungen zu sanieren, ohne eine einzige Bohrung in die Wand zu machen? Das ist keine Science-Fiction. Das ist Rohrinnensanierung.
Was genau ist Rohrinnensanierung?
Rohrinnensanierung ist kein neuer Trend, sondern ein bewährtes Verfahren, das seit 1987 existiert. Der Schweizer Ingenieur Werner Näf hat es patentiert - und seitdem haben Tausende Häuser in Deutschland ihre alten, beschädigten Rohre ohne Aufbruch saniert. Das Prinzip ist einfach: Statt das ganze Rohr rauszureißen, wird das Innere der Leitung gereinigt und mit einer dünnen, aber extrem widerstandsfähigen Schicht aus Harz ausgekleidet. Das Ergebnis? Eine neue, dichte, rostfreie Innenoberfläche - alles von innen.Diese Methode funktioniert besonders gut bei verzinkten Stahlrohren, die nach 30 bis 50 Jahren stark verkrustet sind. Kalk, Rost, Eisenoxid - alles, was den Durchfluss verlangsamt und das Wasser trübe macht, wird entfernt. Danach wird eine Schutzschicht aufgebracht, die das Metall vor weiterer Korrosion schützt. Kein neues Rohr, keine neuen Bohrungen, kein neuer Putz - nur eine saubere, funktionierende Leitung, die wie neu ist.
Wie funktioniert der Prozess Schritt für Schritt?
Es ist kein Zauber, aber es ist präzise Arbeit. Hier ist, was wirklich passiert:- Zustandsanalyse: Zuerst wird mit einer kleinen Kamera ins Rohr geschaut. So sieht man genau, wo die Schäden sind - ob es nur Ablagerungen sind oder ob das Rohr bereits durchgerostet ist. Nur wenn das Rohr noch stabil genug ist, um als Träger zu dienen, macht die Sanierung Sinn.
- Reinigung: Die Rohre werden mit heißer Luft getrocknet. Dann kommt das Herzstück: Sandstrahlen mit Quarzsand und Druckluft. Der Sand schleift die Ablagerungen restlos ab, bis das Metall blank ist. Jede Zapfstelle - Waschbecken, Dusche, Waschmaschine - wird einzeln bearbeitet. Der Schmutz wird fachgerecht abgesaugt und entsorgt.
- Dichtheitsprüfung: Nach der Reinigung wird das System mit Druckluft geprüft. Kein Leck? Dann geht’s weiter.
- Beschichtung: Ein spezielles Harz - meist Epoxidharz - wird mit Luft in die Rohre gesprüht. Es verteilt sich gleichmäßig an den Wänden und härtet innerhalb weniger Stunden aus, wenn Heißluft durchgeblasen wird. Manche Anbieter nutzen auch andere Materialien, wie z.B. Bisphenol-A-freie Systeme, um gesundheitliche Bedenken auszuräumen.
- Wiederinbetriebnahme: Nach 4 bis 6 Stunden ist die Leitung wieder voll funktionsfähig. Keine Wochen Wartezeit, keine Baustelle, kein Staub in der Wohnung.
Das Ganze dauert bei einer durchschnittlichen Einfamilienhaus-Installation meist nur 2 bis 4 Tage. Im Vergleich zum traditionellen Austausch - der oft 1 bis 3 Wochen dauert und ganze Räume zerstört - ist das ein klarer Vorteil.
Warum ist das besser als einen Rohraustausch?
Viele denken: Wenn es kaputt ist, muss man es ersetzen. Aber das ist nicht immer die beste Lösung.Beim klassischen Rohraustausch werden Wände aufgerissen, Böden aufgebrochen, Fußbodenheizungen zerstört, Möbel umgestellt, und die Familie muss oft tagelang ausziehen. Die Kosten liegen bei 5.000 bis 20.000 Euro - je nach Hausgröße. Und danach steht eine neue Baustelle im Haus: Putzen, Tapezieren, Malen.
Bei der Rohrinnensanierung bleibt alles, wie es ist. Keine Wandöffnungen. Kein Lärm von Bohrmaschinen. Kein Staub in der Luft. Die Kosten liegen zwischen 3.000 und 10.000 Euro - oft deutlich günstiger. Und das Ergebnis? Eine neue, langlebige Innenbeschichtung, die bis zu 30 Jahre hält. Einige Anbieter garantieren sogar 10 Jahre Neuwert - also Schutz gegen Kalk, Rost und Undichtigkeiten.
Und es gibt noch einen entscheidenden Vorteil: Die neue Innenschicht ist glatter als das alte Rohr. Das bedeutet weniger Verstopfungsgefahr. Weniger Ablagerungen. Bessere Durchflusswerte. Manche Systeme verbessern sogar den Wasserfluss um bis zu 30 %.
Wann funktioniert es nicht?
Rohrinnensanierung ist keine Wunderwaffe. Es gibt Grenzen.Wenn das Rohr komplett eingebrochen ist, stark verformt oder durchgerostet, kann es nicht als Träger für die neue Schicht dienen. Dann bleibt nur der Austausch. Auch bei extrem engen Biegungen oder stark verklebten Anschlüssen kann die Technik an ihre Grenzen stoßen.
Und: Es muss perfekt gemacht werden. Wenn nicht alle Ablagerungen entfernt werden, haftet die Beschichtung nicht richtig. Dann wird es später undicht. Deshalb ist die Erfahrung des Unternehmens entscheidend. Wer seit 1993 nur das macht, wie RISAN, oder seit Jahrzehnten im Markt ist, wie Dr. Rohr AG, hat das Know-how. Wer das als Nebenbeschäftigung anbietet, sollte gemieden werden.
Was sagt das Gesetz?
In Deutschland ist die Rohrinnensanierung gesetzlich anerkannt. Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) 2023, genauer § 15, legt fest, welche Materialien und Verfahren für Trinkwasserleitungen zulässig sind. Die verwendeten Harze müssen lebensmittelecht sein - also keine Schadstoffe ins Wasser abgeben. Viele Anbieter nutzen heute sogar Bisphenol-A-freie Systeme, wie Aqua-Protect, um besonders hohe Sicherheitsstandards zu erfüllen.Die Technik ist auch für Abwasserleitungen zugelassen - hier gelten andere Merkblätter des Rohrleitungs-Sanierungs-Verbands (RSV), wie RSV Merkblatt 4 für Kurzliner oder RSV Merkblatt 7.3 für reaktionsharzbasierte Systeme. Das heißt: Es gibt klare Regeln. Kein Wildwuchs. Kein Grauzone.
Wer nutzt das Verfahren?
Es ist nicht nur was für Eigenheimbesitzer. Wohnungsbaugesellschaften, Hotels, Krankenhäuser, Altenheime und Schulen setzen auf Rohrinnensanierung - weil sie keine Baustellen im Betrieb wollen. Ein Krankenhaus kann nicht wochenlang die Wasserversorgung abstellen. Ein Hotel nicht. Eine Schule schon gar nicht.Und es ist eine Lösung für Versicherungen. Wenn ein Wasserschaden entstanden ist, ist die Rohrinnensanierung oft die schnellste und kostengünstigste Reparatur. Kein Neubau, kein Umzug, kein Aufwand. Nur eine saubere, funktionierende Leitung.
Was ist neu in der Technik?
Die Technik hat sich weiterentwickelt. Heute gibt es nicht nur Epoxidharz. Es gibt Materialien, die auch bei Dauertemperaturen über 70 °C stabil bleiben - wichtig für Warmwasserleitungen. Es gibt Systeme ohne Bisphenol A, die für Familien mit Kindern oder Allergikern sicherer sind. Und es gibt bessere Kamerasysteme, die sogar Mikrisse erkennen, die das bloße Auge nicht sieht.Einige Anbieter arbeiten jetzt mit 3D-Scans, um das gesamte Rohrnetz digital zu dokumentieren. Das ist nicht nur für die Sanierung wichtig - es hilft auch später, wenn neue Arbeiten nötig sind. Man weiß genau, wo das Rohr verläuft. Kein Zufall mehr beim Bohren.
Was kostet das?
Die Preise variieren je nach Hausgröße, Rohrlänge und Zustand. Aber als grobe Orientierung:- Einfamilienhaus mit 20-30 Metern Leitung: 4.000-7.000 Euro
- Wohnung mit 10-15 Metern: 2.500-4.500 Euro
- Größeres Mehrfamilienhaus: 8.000-15.000 Euro
Im Vergleich zum Rohraustausch spart man oft 40-60 %. Und das ist nicht nur Geld. Es ist auch Zeit. Es ist Stress. Es ist Ruhe in der Wohnung.
Wie finde ich den richtigen Anbieter?
Nicht jeder, der ein Fahrzeug mit Kompressor hat, kann Rohrinnensanierung. Es braucht Erfahrung, spezielle Geräte und zertifizierte Mitarbeiter.Suchen Sie nach Unternehmen, die:
- Mindestens 15-20 Jahre auf dem Markt sind
- RSV-Merkblätter einhalten
- Trinkwasserverordnung einhalten
- Eine schriftliche Garantie von mindestens 10 Jahren geben
- TV-Untersuchungen mit Video-Dokumentation anbieten
- Keine pauschalen Angebote machen, sondern erst eine Analyse vor Ort
Vermeiden Sie Anbieter, die „Sofort-Preise“ per Telefon geben. Das ist kein Zeichen von Professionalität - sondern von Unkenntnis.
Fazit: Eine sanfte Lösung für alte Leitungen
Rohrinnensanierung ist nicht die Lösung für jedes Problem. Aber sie ist die beste Lösung für viele. Wenn Ihre Leitungen alt sind, aber noch stabil, wenn Sie keine Baustelle wollen, wenn Sie Geld und Zeit sparen möchten - dann ist das die richtige Wahl.Es ist kein Ausbau. Es ist eine Heilung. Von innen. Ohne Zerstörung. Ohne Chaos. Mit Garantie. Und mit einer Lebensdauer von 30 Jahren.
Vielleicht ist es nicht die günstigste Lösung - aber sie ist die sanfteste. Und oft die einzige, die Ihr Zuhause nicht zerstört, während sie es repariert.
Kann ich Rohrinnensanierung selbst machen?
Nein. Die Rohrinnensanierung erfordert spezielle Geräte, zertifizierte Techniker und jahrelange Erfahrung. Die Reinigung mit Quarzsand, die Dichtheitsprüfung und die präzise Beschichtung sind nicht für Laien machbar. Ein falscher Schritt kann zu Undichtigkeiten führen - und das ist teurer als die ganze Sanierung. Nur zugelassene Fachbetriebe dürfen die Arbeit durchführen.
Ist das Harz im Wasser gefährlich?
Nein, wenn es richtig angewendet wird. Alle Materialien, die in Deutschland für Trinkwasserleitungen verwendet werden, müssen der Trinkwasserverordnung entsprechen. Sie sind lebensmittelecht und prüfungsgeprüft. Viele Anbieter bieten heute sogar Bisphenol-A-freie Systeme an, die besonders sicher sind. Nach der Aushärtung gibt es keine freien Chemikalien mehr - das Harz ist fest und stabil. Der Wasserfluss ist sicher.
Wie lange hält die Beschichtung?
Die Beschichtung hält mindestens 30 Jahre, oft länger. Das liegt an der Materialqualität und der sauberen Vorbereitung. Unternehmen wie SANIRO und RISAN garantieren 10 bis 30 Jahre - je nach System. Die Lebensdauer entspricht der von neuen Kupfer- oder Kunststoffrohren. Der entscheidende Unterschied: Sie haben keine neuen Wände, keinen neuen Boden und keine neuen Kosten für den Austausch.
Kann man Rohrinnensanierung auch bei Abwasserleitungen nutzen?
Ja, aber mit anderen Materialien. Für Abwasserleitungen werden andere Harze verwendet, die widerstandsfähiger gegen Fette, Bakterien und Säuren sind. Hier kommen zum Beispiel Kurzliner oder Spray-Systeme nach RSV Merkblatt 4 und 7.3 zum Einsatz. Die Technik funktioniert ähnlich - nur mit anderen Materialien. Auch hier wird das alte Rohr als Träger genutzt - und die neue Schicht verhindert Leckagen und Wurzeleinwuchs.
Was ist mit Rohren aus Kunststoff?
Rohrinnensanierung ist für Kunststoffrohre nicht notwendig. Sie rosten nicht, verkrusten kaum und sind oft noch in gutem Zustand. Das Verfahren ist speziell für metallische Leitungen wie verzinkten Stahl, Grauguss oder Kupfer entwickelt. Wenn Ihre Leitungen aus PEX, PE oder PVC sind, brauchen Sie keine Sanierung - es sei denn, sie sind mechanisch beschädigt. Dann ist ein lokaler Austausch sinnvoller.
Kann ich die Sanierung mit meiner Versicherung abdecken?
Ja, oft. Wenn ein Wasserschaden entstanden ist - zum Beispiel durch eine undichte Leitung - zahlt die Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung in vielen Fällen die Rohrinnensanierung als Reparaturmaßnahme. Wichtig ist: Sie müssen den Schaden sofort melden und einen Gutachter hinzuziehen. Die Versicherung bevorzugt oft die kostengünstigere Lösung - und das ist oft die zerstörungsfreie Sanierung.
Gibt es staatliche Förderungen?
Derzeit gibt es keine spezielle Bundesförderung für Rohrinnensanierung. Aber wenn Sie die Sanierung im Rahmen einer energetischen Sanierung durchführen - etwa weil Sie die Heizungsanlage erneuern - können Sie unter Umständen KfW-Fördermittel für die Gesamtmaßnahme nutzen. Fragen Sie immer einen Energieberater. Auch bei der Sanierung von Altbauten können Kommunen oder Wohnungsbaugesellschaften Zuschüsse anbieten - das lohnt sich zu prüfen.