Holztreppen renovieren: So erneuern Sie das Oberflächenfinish im Treppenhaus mit Profi-Ergebnissen

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Wenn Ihre Holztreppe alt aussieht, kratzig ist oder den Farbton verloren hat - dann müssen Sie nicht gleich eine neue Treppe einbauen. Die meisten Holztreppen in deutschen Häusern lassen sich mit wenig Aufwand und geringen Kosten wieder wie neu machen. Die Oberflächenrenovierung ist nicht nur günstiger als ein Neukauf, sie rettet auch das Holz, das schon Jahrzehnte steht. In Lüneburg, wo viele Altbauten mit originalen Eichen- oder Nussbaumn Treppen ausgestattet sind, ist das eine gängige Praxis. Und es funktioniert: Mit den richtigen Schritten und Materialien wird Ihre Treppe in wenigen Tagen wieder glatt, widerstandsfähig und schön.

Warum das Oberflächenfinish erneuern?

Eine Holztreppe ist kein bloßer Treppenlauf. Sie ist ein zentrales Element im Haus, das viel genutzt wird. Jeder Schritt, jeder Sturz, jeder Staubkorn - sie alle hinterlassen Spuren. Die Oberfläche, die ursprünglich als Schutz diente, ist abgenutzt. Das Holz ist matt, rau, manchmal sogar aufgeplatzt. Aber das Holz selbst ist oft noch intakt. Es braucht nur eine neue Hülle.

Ein neues Finish bringt drei Dinge zurück: Schutz, Haltbarkeit und Aussehen. Sie verhindern, dass Feuchtigkeit ins Holz eindringt, dass Kratzer tiefer werden und dass das Holz brüchig wird. Gleichzeitig können Sie den Look komplett ändern: von traditionell dunkel bis modern hell, von matt bis hochglänzend. Und das alles ohne Bohren, ohne Abbruch, ohne Lärm über Wochen.

Ein Vergleich zeigt: Eine neue Holztreppe kostet zwischen 800 und 2.500 Euro, je nach Größe und Holzart. Die Renovierung liegt bei 45 bis 85 Euro für Materialien - das ist ein Bruchteil. Und wer selbst schraubt, spart noch mal die Handwerkerkosten von 120 bis 180 Euro pro Stufe.

Die 5 entscheidenden Schritte zur Renovierung

Es gibt keine Abkürzung. Jede erfolgreiche Renovierung folgt einem klaren Ablauf. Wer hier überspringt, hat später Probleme - abblätternder Lack, ungleichmäßige Farbe, Kratzer, die sich nicht mehr wegputzen lassen. Hier ist der Weg, den Profis und erfahrene Heimwerker nutzen:

  1. Reinigung und Vorbereitung: Entfernen Sie alle Staub- und Schmutzreste mit einem Staubsauger und einem feuchten Tuch. Kein Wasser auf das Holz gießen - nur leicht anfeuchten und sofort trocknen. Decken Sie Geländer, Wände und den Boden rund um die Treppe mit Staubschutzfolie ab. Lassen Sie mindestens 1 Meter Freiraum um die Treppe.
  2. Grobschliff: Nutzen Sie einen Exzenterschleifer mit 80- bis 120er Körnung. Arbeiten Sie immer in Längsrichtung der Holzmaserung - nie quer. Das verhindert Riefen. Bei tiefen Kratzern oder Ausbrüchen tragen Sie Holzausgleichsmasse auf, die 24 Stunden aushärten muss. Danach nochmal grob schleifen, bis alles eben ist.
  3. Feinschliff: Wechseln Sie auf 150er und dann auf 180er Körnung. Hier wird die Oberfläche glatt. Wichtig: Keine Sprünge! Von 120er direkt auf 240er zu wechseln, reduziert die Haftung des neuen Lacks um bis zu 45 %. Das hat der Fraunhofer-Institut für Holzforschung bestätigt.
  4. Grundierung: Verdünnen Sie den Treppenlack mit 1:1 Wasser und streichen Sie ihn mit einer 18 cm-Rolle auf die Flächen und mit einem 5 cm-Pinsel an den Kanten. Das ist nicht nur ein Anstrich - es ist ein Vorbereitungsschritt, der das Holz aufnimmt und gleichmäßiger lackiert. Nach 2 bis 4 Stunden Trocknungszeit (je nach Hersteller) schleifen Sie diese Schicht mit 240er Körnung leicht an. Das macht die Oberfläche feiner und sorgt für bessere Haftung der nächsten Schicht.
  5. Endversiegelung: Jetzt kommt der eigentliche Lack. Tragen Sie 2 bis 4 Schichten auf, jeweils mit 1 bis 3 Stunden Trocknungszeit dazwischen. Die Gesamtdicke sollte 250 bis 300 Mikrometer nicht überschreiten - mehr führt zu Rissen. Die Treppe ist nach 7 Tagen vollständig ausgehärtet. Erst dann dürfen Sie wieder voll belasten.

Lackieren oder ölen? Die richtige Wahl für Ihre Treppe

Die größte Entscheidung: Was kommt auf das Holz? Zwei Wege stehen offen: Lack oder Öl. Beide haben Vor- und Nachteile.

Lackieren mit wasserbasiertem Treppenlack (z. B. Remmers Treppenlack Aqua) ist die Standardlösung. Er bildet eine harte, schützende Schicht. Die Verschleißfestigkeit liegt bei Klasse 23 nach DIN EN 15655 - das ist die höchste Klasse für Wohnbereiche. Kratzer bleiben selten, die Oberfläche ist leicht zu reinigen. Der Nachteil: Bei größeren Schäden muss die ganze Stufe neu lackiert werden. Und: Es braucht mehr Trockenzeit.

Ölen mit pflanzenbasierten Ölen (z. B. Osmo Polyx-Oil) ist weicher, natürlicher. Das Holz fühlt sich warm an, die Maserung kommt besser zur Geltung. Reparaturen sind einfach: Ein kleiner Kratzer? Einfach mit Öl nachölen - kein ganzer Stufenwechsel nötig. Aber: Die Kratzfestigkeit ist geringer. Praxistests zeigen nach 6 Monaten 37 % mehr sichtbare Kratzer als bei Lack. Und: Sie müssen alle 12 bis 18 Monate nachölen, sonst wird die Oberfläche matt und anfällig.

Die Regel von Tischlermeister Michael Jungbluth gilt: „War die Treppe geölt, bleibt es Öl. War sie lackiert, bleibt es Lack - es sei denn, der alte Lack ist vollständig entfernt.“ Wenn Sie unsicher sind, schauen Sie an den Kanten: Ist das Holz glänzend und hart? Dann war es lackiert. Ist es matt und weich? Dann war es geölt.

Eine Hand streicht wasserbasierten Treppenlack auf eine geschliffene Stufe, Holzmaserung sichtbar, Werkzeuge im Hintergrund.

Wasserbasiert oder lösemittelhaltig? Der gesundheitliche Faktor

Immer noch gibt es Produkte mit Nitrolack - aber sie gehören nicht in Ihr Wohnhaus. Diese Lacke enthalten bis zu 70 % flüchtige organische Verbindungen (VOC), die Kopfschmerzen, Atembeschwerden und langfristig gesundheitliche Risiken verursachen. Die Deutsche Umwelthilfe warnt seit Jahren davor.

Wasserbasierte Systeme dagegen haben 70 % weniger VOC-Emissionen. Sie riechen kaum, sind kindersicher und können sogar in Wohnungen mit Allergikern verwendet werden. Der Marktanteil dieser Produkte ist von 45 % im Jahr 2018 auf 78 % im Jahr 2023 gestiegen. Das ist kein Zufall - das ist die klare Antwort der Verbraucher.

Und es gibt neue Entwicklungen: Remmers hat im September 2023 den „Treppenlack Speed“ auf den Markt gebracht - er trocknet zwischen den Schichten in nur 45 Minuten. Das spart Zeit und macht die Arbeit einfacher. Aber: Auch bei schnellen Lacksystemen gilt - nicht zu dick auftragen. Maximal 80 Mikrometer pro Schicht.

Die wichtigsten Werkzeuge und Tipps von Heimwerkern

Sie brauchen nicht alles. Aber Sie brauchen das Richtige:

  • Exzenterschleifer: Ein Festool ETS 150/3 mit 125 mm Durchmesser ist der Standard. Wer mit der Hand schleift, braucht doppelt so lange und bekommt ungleichmäßige Ergebnisse.
  • Schleifklemme: Für Kanten und Treppenstufenübergänge. Ohne diese kommt der Lack nicht sauber an die Ecken.
  • 18 cm-Rolle mit kurzflorigem Bezug: Gibt eine gleichmäßige Schicht ohne Bürstenstriche.
  • Pinsel mit synthetischen Borsten: Keine Naturborsten - die verlieren ihre Form und hinterlassen Fasern.
  • Treppenlehre: Ein kleines, aber geniales Werkzeug. Mit ihr können Sie die Kanten sauber lackieren, ohne auf die Stufen zu tropfen. Die YouTube-Videos mit diesem Tool haben über 124.000 Aufrufe - weil es funktioniert.

Ein häufiger Fehler: Heimwerker denken, sie könnten mit 240er Körnung starten. Das funktioniert nicht. „Habe direkt mit 240er geschliffen - nach drei Wochen blätterte der Lack an den Kanten ab“, schreibt ein Nutzer auf Heimwerker.de. Der Tischler sagte ihm: „Du hättest mit 120er nachschleifen müssen.“

Ein weiterer Tipp: Arbeiten Sie bei einer Luftfeuchtigkeit von 45 bis 65 %. Zu trocken? Der Lack trocknet zu schnell und blättert. Zu feucht? Er nimmt keine Haftung. Messen Sie mit einem einfachen Hygrometer.

Gesplittete Treppe: links verwittert, rechts neu lackiert, mit Symbolen für Zeit und Nachhaltigkeit.

Wie lange dauert das? Zeitplan für eine Standardtreppe

Ein kompletter Renovierungsprozess für eine Treppe mit 14 Stufen und zwei Wangen dauert nicht 2 Tage - sondern 5 bis 7 Tage. Warum? Weil das Holz Zeit braucht. Hier ein realistischer Ablauf:

  1. Tag 1: Reinigung, Grobschliff, Ausbessern von Schäden mit Holzausgleichsmasse (24 Std. Aushärten)
  2. Tag 2: Feinschliff mit 150er und 180er Körnung
  3. Tag 3: Grundierung auftragen, trocknen lassen (2-4 Std.)
  4. Tag 4: Grundierung schleifen, erste Lackschicht auftragen
  5. Tag 5: Zweite Lackschicht
  6. Tag 6: Dritte Lackschicht (falls nötig)
  7. Tag 7: Trocknung abgeschlossen - Treppe wieder nutzbar

Das sind insgesamt 8 bis 12 Arbeitsstunden - verteilt auf eine Woche. Kein Stress, kein Chaos. Und am Ende: eine Treppe, die wie neu aussieht - und die noch 10 bis 15 Jahre hält.

Was ist mit historischen Treppen?

Wenn Ihre Treppe vor 1945 gebaut wurde - dann stoppen Sie. Nichts tun. Nicht schleifen. Nicht lackieren. Nicht ölen. Solche Treppen sind oft aus altem Holz, mit historischen Oberflächen, die heute nicht mehr reproduzierbar sind. Sie tragen Kulturgeschichte. Die Deutsche Umwelthilfe warnt nicht nur vor Chemikalien - sie warnt vor Verlust.

Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz sagt klar: „Bei originalen Treppen vor 1945 sollte immer ein Fachbetrieb für historische Holzoberflächen hinzugezogen werden.“ Moderne Lacke können die Substanz angreifen, Farben verändern, den Wert ruinieren. Hier ist weniger mehr. Ein sanfter Reinigungsschritt mit speziellem Holzreiniger ist oft genug.

Was kommt als Nächstes?

Die Zukunft der Holztreppenrenovierung geht in zwei Richtungen: Einerseits zu noch schnelleren, umweltfreundlicheren Lacken - andererseits zu natürlichen Ölsystemen, die auf Pflanzenölen basieren. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde prognostiziert, dass bis 2028 wasserbasierte Lacke 15 % Marktanteil verlieren, während pflanzenbasierte Öle um 22 % wachsen.

Warum? Weil die Gesetze sich ändern. Die VOC-Grenzwerte werden strenger. Und Verbraucher wollen nicht nur schöne Treppen - sie wollen gesunde. Das ist der echte Trend.

Wenn Sie jetzt Ihre Treppe renovieren - tun Sie es richtig. Mit dem richtigen Werkzeug, dem richtigen Produkt, der richtigen Reihenfolge. Dann bleibt sie nicht nur schön - sie bleibt ein Teil Ihres Zuhauses. Und das ist es wert.

Kann ich eine Holztreppe ohne Schleifen renovieren?

Nein, nicht wirklich. Ein neues Finish haftet nur, wenn die alte Oberfläche abgeschliffen ist. Selbst wenn die Treppe nur leicht abgenutzt wirkt, bleibt ein Film aus Staub, Öl oder altem Lack auf dem Holz. Dieser Film verhindert, dass der neue Lack richtig einzieht. Ohne Schleifen blättert der Lack nach kurzer Zeit ab - besonders an den Kanten. Ein leichter Schleifvorgang mit 150er Körnung ist immer nötig, auch bei scheinbar guten Zuständen.

Wie oft muss eine renovierte Holztreppe erneut behandelt werden?

Bei lackierten Oberflächen reicht eine Renovierung alle 12 bis 15 Jahre - vorausgesetzt, die Treppe wird nicht extrem stark genutzt. In Mehrfamilienhäusern oder bei viel Verkehr sollte alle 8 bis 10 Jahre nachgearbeitet werden. Geölte Oberflächen brauchen eine Pflege alle 12 bis 18 Monate. Das heißt: nicht neu lackieren, sondern nur mit Öl nachbehandeln. Bei starken Kratzern oder Flecken ist dann ein lokaler Schleif- und Nachölvorgang nötig.

Welcher Lack ist am besten für Kinderzimmertreppen?

Wasserbasierter Treppenlack mit niedrigem VOC-Gehalt. Produkte wie Remmers Treppenlack Aqua oder Alpina Holzschutzlack sind speziell für Innenräume entwickelt und haben die Zertifizierung „Blauer Engel“. Sie sind geruchsfrei, ungiftig und besonders kratzfest. Vermeiden Sie alle Produkte mit Lösungsmitteln oder Nitrolack. Kinder spielen auf der Treppe - sie brauchen eine sichere Oberfläche, die auch bei Verschmutzung leicht zu reinigen ist.

Was mache ich, wenn der Lack an den Kanten abblättert?

Das ist ein klassischer Fehler - meist durch unzureichendes Schleifen oder zu schnelles Lackieren. Die Lösung: Die betroffene Stelle vorsichtig mit 180er Körnung abschleifen, bis alles glatt ist. Dann mit einem Pinsel Grundierung auftragen, trocknen lassen, und anschließend zwei dünne Lackschichten auftragen. Wichtig: Nicht zu dick auftragen und immer in Längsrichtung streichen. Mit einer Treppenlehre vermeiden Sie solche Probleme von Anfang an.

Kann ich die Treppenwangen und das Geländer auch renovieren?

Ja, aber mit Vorsicht. Wand- und Geländerflächen sind oft schon beschichtet. Schleifen Sie diese nur leicht mit 180er Körnung an - nicht zu stark. Nutzen Sie ein Holzsiegel oder einen speziellen Geländerlack, der auch auf alten Anstrichen haftet. Achten Sie darauf, dass keine Farbe auf die Stufen tropft. Mit einer Treppenlehre und Klebeband schützen Sie die Übergänge. Die Geländer sollten immer mit dem gleichen Produkt behandelt werden wie die Stufen - sonst entsteht ein ungleichmäßiger Look.

Wie erkenne ich, ob mein Holz noch renovierbar ist?

Wenn das Holz noch fest ist, keine großen Löcher oder faulige Stellen hat, ist es renovierbar. Testen Sie mit einem Messer: Drücken Sie leicht an einer unsichtbaren Stelle - wenn es sich weich anfühlt oder Fasern abbrechen, ist das Holz verrottet. Dann ist eine Renovierung sinnlos - das Holz muss ersetzt werden. Auch bei tiefen Rissen, die bis zur Holzunterlage reichen, ist eine Reparatur nur begrenzt möglich. In solchen Fällen lohnt sich ein Fachmann.

1 Comments

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    Maggie Knowles

    Januar 7, 2026 AT 00:20

    Also ich hab meine Treppe mit Öl gemacht… und jetzt ist sie wie eine Wiese im Frühling. Kratzer? Na und. Sieht aus wie ein Leben, das gelebt wurde. 😌

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